Dr. Silke Schmitt Oggier - Med.Leiterin von sante24
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5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Babyschnupfen: meist ungefährlich aber problematisch für die Kleinen

Iris Wiesendangen ruft besorgt bei sante24 an: «Mein vier Monate altes Baby weint nur noch, trinkt nichts mehr und ist schon ganz nassgeschwitzt vor lauter Schreien.» Sonst sei der Kleine immer sehr pflegeleicht, gut gelaunt und gediehe bestens.


Er wird noch voll gestillt. Nach ein paar Fragen der Gesundheitsberaterin ist das Problem erkannt: Luis, so heisst der Junge, hat zum ersten Mal Schnupfen und kann mit der verstopfte Nase nicht trinken, obwohl er grossen Hunger hat.

Was ist am Schnupfen so besonders bei Säuglingen und kleinen Kindern?

Die Ursache für den Schnupfen ist meistens wie bei den grösseren Kindern und Erwachsenen ein viraler Infekt, der an und für sich nicht gefährlich ist. Neben den lokalen Symptomen wie Schnupfen und evtl. Husten haben die Babys manchmal noch etwas erhöhte Temperatur, aber meist kein hohes Fieber. Problematisch ist die verstopfte Nase, da kleine Kinder nicht gleichzeitig trinken und durch den Mund atmen können. Sobald sie versuchen, trotz der verstopfte Nase an der Brust oder am Fläschchen zu saugen, geraten sie in Luftnot. Deshalb lassen sie Brustwarze oder Schnuller ganz schnell wieder los, um durch den offenen Mund zu atmen. Dadurch bleiben sie aber hungrig und fangen verständlicherweise an, frustriert zu schreien.

Was kann man gegen die verstopfe Nase beim Baby machen?

Am besten spült man verschnupfte Babynasen mehrmals pro Tag mit Kochsalzlösung. Zum Beispiel mittels einer kleinen Plastik-Spritze. Die Salzlösung kann man täglich selber herstellen (einen Löffel Salz in einem Glas abgekochtem Wasser auflösen. Salz, das sich nicht löst, setzen lassen). Statt der Plastik-Spritze kann man auch Plastikpipetten z.B. aus der Apotheke verwenden. Dort oder bei den grösseren Detailhändlern wie Migros oder Coop gibt es  auch fertige isotonische Kochsalzlösung in Einmalampullen zu kaufen. Um die Nase zu spülen und das Salzwasser wirklich in die Babynase hineinzubringen, ist man idealerweise zu zweit: einer fixiert sanft den Kopf des liegenden Babys, der andere setzt die Ampulle oder Spritze am Nasenausgang an und versucht, mit leichtem Druck die Salzlösung in das eine und danach in das andere Nasenloch zu befördern. Wahrscheinlich wird das Baby dabei weinen, was aber den Vorteil hat, dass dann meistens die Nase stärker läuft und der «Schnudder» besser abfliessen kann.

Kann der Schnupfen beim Baby gefährlichere Auswirkungen haben?

Leider ja, denn aus dem Schnupfen kann sich zum Beispiel eine Ohrenentzündung entwickeln. Dies vor allem, weil die kleinen Wege, die zwischen Mittelohr und Nasen-/Rachenraum für die gesunde Belüftung des Mittelohr zuständig sind, meist im Rahmen des viralen Infektes zuschwellen. Wird das Ohr dann nicht belüftet, können sich die Bakterien dort ebenfalls ausbreiten und zu einer Mittelohrenentzündung führen. Diese ist sehr schmerzhaft und führ auch meist zu höherem Fieber. Leider passiert das bei kleinen Kindern gar nicht so selten.

Wie kann man einer Ohrenentzündung vorbeugen?

Neben den Nasenspülungen mit Kochsalzlösung ist es meist sinnvoll, für ca. zwei bis drei Tage zusätzlich einen Nasenspray für Babys aus der Apotheke zu benutzen. Dieser hilft, dass die Nasenschleimhaut und auch die engen Ohr-Belüftungswege abschwellen. So kann das Baby trinken und schlafen und die Ohren bleiben verschont. Länger als fünf Tage darf man solche Nasensprays aber nicht anwenden, da sie bei längerem Gebrauch die Nasenschleimhaut schädigen können.

Kann man nicht auch ätherische Öle einsetzen, damit das Baby besser atmen kann?

Mit ätherischen Ölen muss man bei Babys und kleinen Kindern sehr vorsichtig sein. Die Dämpfe können vor allem bei Kindern unter zwei Jahren zu einer lebensbedrohlichen Verkrampfung des Kehlkopfs und zu einem Atemstillstand führen. Ausserdem können sie direkt auf der Haut aufgetragen einen Hautausschlag hervorrufen. Wenn man unbedingt ätherische Öle ausprobieren möchte, dann in kleinsten Mengen und anfangs in grösserer Entfernung vom Kind bzw. auf etwas drauf, das man sofort wegnehmen kann, wenn man merkt, dass es dem Baby nicht guttut. Auf keinen Fall direkt aufs Gesicht oder den Brustkorb und auch nicht aufs Nuscheli oder den Strampelanzug.

 

Gleich nach dem Telefonat – Luis ist unterdessen erschöpft eingeschlafen –  stellt Iris Wiesendangen ein Glas Kochsalzlösung her und versucht, dem schlafenden Baby die Nase zu spülen. Mit der Hilfe ihres Mannes gelingt ihr das beim zweiten Anlauf. Für Markus Wiesendangen ist es anfangs ungewohnt, seinen kleinen Sohn so zu fixieren, damit seine Frau die Nasenspülungen machen kann. Nach Nasenspülen und Weinen ist die Nase aber tatsächlich für den Moment frei, so das Luis endlich gestillt werden kann und satt und zufrieden ist. Für die Nacht besorgt Markus Wiesendangen noch einen Nasenspray aus der Apotheke. So fühlt sich die kleine Familie gewappnet, den ersten Schnupfen gemeinsam zu überstehen.

 

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von sante24. Die telefonische Gesundheitsberatung sante24 ist eine zentrale Dienstleistung von SWICA, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Die Fachkräfte von sante24 vereinbaren bei Bedarf einen Arzttermin und schaffen so die Grundlage für eine koordinierte und zielgerichtete Behandlung – von der ersten Beratung bis zum Therapieabschluss.

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