Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Hilfe, hat unsere Tochter Affenpocken?

Theo Gilgen, Vater der 3-jährigen Luisa, ist an diesem Pfingstsonntag sehr aufgeregt, als er santé24 anruft. «Ich bin fast sicher, dass meine Tochter dieses neue Virus hat: Affenpocken.

Dr. med. Silke Schmitt Oggier - Med. Leiterin santé24
Kategorie:
Autor:
SWICA Gesundheitsorganisation

Ich habe gerade darüber in der Zeitung gelesen und ihr Ausschlag, den sie seit gestern hat, sieht genau wie beschrieben aus: manche Stellen sind rot und etwas erhaben und andere waren gestern so, sind aber heute kleine Bläschen, die anscheinend sehr jucken». Meine Frau ist im Wellness-Wochenende mit Freundinnen, was soll ich tun?». Die santé24-Gesundheitsberaterin lässt sich über den gesicherten Weg der Benecura-App Fotos vom Ausschlag schicken und erfährt noch, dass Luisa nicht gegen Windpocken (Wilde Blattern) geimpft ist. Auf die Frage, ob es im Umfeld von Luisa in letzter Zeit Kinder mit Wilden Blattern gegeben hat, weiss Herr Gilgen, dass es einen diesbezüglichen Aushang in der Krippe seiner Tochter gegeben hat. Das sei aber schon mindestens drei Wochen her. Kontakt mit einem vermuteten oder bestätigten Affenpockenfall hatten Luisa und ihre Familie nicht. Zur Sicherheit gibt die Gesundheitsberaterin den besorgten Vater noch ans santé24-Ärzte-Team weiter.


Wie unterscheiden sich die Symptome von Affenpocken und Windpocken (Wilden Blattern)?

Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale sind die geschwollenen und stark schmerzhaften Lymphknoten am Hals und in den Leisten und der Einbezug von Handinnenflächen und Fusssohlen beim Ausschlag durch Affenpocken.

Die weiteren Unterscheidungen können sehr fein sein: Beide Erkrankungen zeichnen sich durch eine ausschlagfreie ein bis dreitägige Vorphase aus. Bei den Affenpocken scheint man dabei bereits kränker zu sein mit höherem Fieber und starker Abgeschlagenheit, während vor allem Kinder vor Auftreten des Wilde-Blattern-Ausschlags eher nur etwas unleidig sind mit evtl. leicht erhöhter Temperatur. 

Der Ausschlag selbst ist schwierig zu unterscheiden, ist aber etwas unterschiedlich über den Körper verteilt: Bei den Wilden Blattern breitet er sich in der Regel vom Rumpf her aus und kann auch die Schleimhäute im Mund befallen. Handinnenflächen und Fusssohlen sind bei den Wilden Blattern immer ausschlagfrei.

Der Ausschlag bei den Affenpocken beginnt in der Regel im Gesicht, kann auch die Schleimhäute befallen und ist typischerweise auch an Handinnenflächen und Fusssohlen vorhanden. Spätestens mit Auftreten des Ausschlags treten bei den Affenpocken deutlich geschwollene und schmerzhafte Lymphknoten am Hals und in der Leiste auf.


Wie werden Windpocken (Wilde Blattern) übertragen und wie Affenpocken?

Der Übertragungsweg von Wilden Blattern erfolgt wie bei COVID-19 über Aerosole in der Luft. Das bedeutet, wenn man mit einer kranken Person längere Zeit im selben Zimmer war ohne Maske und noch keine Wilden Blattern hatte oder nicht geimpft ist, dann hat man sich höchstwahrscheinlich angesteckt.

Affenpocken verbreiten sich über eine Tröpfcheninfektion. Dazu braucht es deutlich engeren Kontakt, als nur zusammen einen Raum geteilt zu haben. Entweder das familiäre oder partnerschaftliche Zusammenleben oder Teilen von Geschirr, Besteck oder Gläsern oder sexuellen Kontakt. Ob Affenpocken auch nur über Schleimhautkontakte weitergegeben werden können, ist noch unklar.

Wie ist die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch von Symptomen) bei Windpocken (Wilden Blattern)?

Die Inkubationszeit ist eher lang und liegt in der Regel zwischen fünf und 21 bis 28Tagen. 


Wie behandelt man Windpocken (Wilde Blattern)?

Man behandelt hauptsächlich den juckenden Ausschlag mit kühlenden, leicht gerbenden Lotionen, damit die Bläschen möglichst schnell eintrocknen. Bei sehr starkem Juckreiz helfen manchmal auch antiallergische Medikamente. Falls Fieber vorhanden ist, kann man dieses mit Tabletten, Saft oder Zäpfchen gegen Fieber lindern.


Kann man sich vor Windpocken (Wilden Blattern) schützen?

Ja, man kann sich dagegen impfen lassen. Bis vor ein paar Jahren galt in der Schweiz die Empfehlung, nur Jugendliche und Erwachsene zu impfen, die bis zu dem Alter noch keine Wilden Blattern durchgemacht hatten. Seit ein paar Jahren kann die Impfung gegen Wilde Blattern zusammen mit den anderen Säuglingsimpfungen verabreicht werden und ist dann im Impfstoff gegen Wundstarrkrampf, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung usw. mit enthalten.

Die Impfung gegen die Windpocken (Wilden Blattern) hilft nicht gegen Affenpocken, da der Auslöser total unterschiedliche Viren sind.
 

Die santé24-Ärztin ist sich aufgrund der Fotos, der freien Handinnenflächen und Fusssohlen, der fehlenden Lymphknotenschwellungen, des relativ guten Allgemeinzustandes und der Windpocken-Fälle in der Krippe von Luisa vor ungefähr drei Wochen sicher, dass Luisa an Wilden Blattern (Windpocken) erkrankt ist. Sie empfiehlt Herrn Gilgen, eine spezielle Lotion in der nächsten offenen Apotheke zu holen und damit die Bläschen zu therapieren. Hohes Fieber hat Luisa nicht, auch sonst wirkt sie nicht schwer krank. Fieberzäpfchen für Luisas Alter und antiallergische Tröpfchen hätte der inzwischen etwas beruhigte Vater aber zuhause. In die Krippe und überhaupt unter Leute soll Luisa erst wieder gehen, wenn die letzten Bläschen verkrustet und die Krusten abgefallen sind. So lange ist Luisa ansteckend für alle Menschen, die noch keine wilden Blattern hatten und nicht dagegen geimpft sind oder aufgrund immunsupprimierender Therapien anfällig sind.   


Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.

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