Dr. Silke Schmitt Oggier - Med. Leiterin von sante24
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5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Kann ich schon meine Kinder vor Osteoporose schützen?

Jeanette Zürrer ist beunruhigt. Bei ihrer Mutter (58) ist gerade Osteoporose diagnostiziert worden. Sie hat sich untersuchen lassen, weil schon ihre Mutter an Osteoporose gelitten hat und deshalb mit Ende 60 bei einem leichten Sturz eine Oberschenkelhalsfraktur erlitten hat, in deren Folge sie dann leider verstorben ist. «Anscheinend liegt das mit der Osteoporose bei uns in der Familie» erklärt Jeanette Zürrer der santé24 Gesundheitsberaterin am Telefon. «Eine Nachbarin hat mir gesagt, ich könne schon bei meinen Kindern etwas gegen Osteoporose tun. Kann das sein, Osteoporose bekommt man doch erst im Alter?!» 


Kann Osteoporose vererbt werden?

Ja, eine gewisse Veranlagung für Osteoporose kann vererbt werden. Die genetischen Faktoren haben Einfluss auf die maximale Knochendichte, die man erreichen kann sowie die Intensität des Knochenabbaus im fortschreitenden Erwachsenenalter. Zusätzlich gibt es Risikofaktoren wie generell das Alter, Alkohol, Nikotin, Untergewicht, manche Medikamente wie z.B. Kortisontherapien, vor allem in Tablettenform, Begleiterkrankungen, hormonelle Besonderheiten wie frühe Wechseljahre und mehrere Schwangerschaften und Stillphasen kurz hintereinander. Es gibt aber auch Faktoren, mit denen man die Knochengesundheit in jedem Fall positiv beeinflussen kann, auch wenn man familiär vorbelastet ist. 

Ist Osteoporose eine Alterskrankheit?

Die Folgen der Osteoporose bemerkt man tatsächlich meistens erst nach dem 50. Lebensjahr, indem man sich z.B. schon bei leichten Stürzen die Knochen bricht oder indem die Wirbelkörper einbrechen und man einen runden Rücken bekommt. Die Basis für die Knochengesundheit im Alter wird jedoch schon in der Kindheit und Jugend gelegt: Bei Kindern und Jugendlichen überwiegt der Knochenaufbau, so dass im jungen Erwachsenenalter die maximale Knochendichte erreicht wird. Bereits ab dem 30. Lebensjahr beginnt jedoch schon der unvermeidliche Substanzverlust und der Knochenabbau überwiegt. Daher ist es von Vorteil, in jungen Jahren durch gesunde Ernährung und viel Bewegung eine hohe Knochendichte aufzubauen, um möglichst lange von diesem «Polster» zehren zu können.

Wie können Kinder ihre Knochen stärken?

Die drei Säulen starker Knochen sind kalziumreiche Ernährung, Bewegung und Sonnenlicht. Kalzium ist für die Festigkeit und die Stabilität der Knochen verantwortlich. Gerade kleine Kinder in den ersten zwei Jahren und Heranwachsende zwischen zehn und 19 Jahren haben einen erhöhten Bedarf an Calzium, da ihr Knochenwachstum gerade in vollem Gange ist. Damit das Calzium in die Knochen eingebaut werden kann, braucht es zusätzlich den «Einbauhelfer» Vitamin D. Vitamin D kann und muss der Körper selbst aus Sonnenlicht herstellen, nur maximal 20 Prozent werden davon über die Nahrung aufgenommen. Damit genügend Vitamin D produziert wird, sollte man jeden Tag mindestens 20 Minuten Gesicht und Arme in die Sonne halten – allerdings ohne Sonnenschutzmittel, also eher nicht im Hochsommer in der Mittagszeit. Auch sportliche Betätigung kurbelt den Knochenstoffwechsel an. Die Muskeln, die am Knochen «ziehen» und sogenannte achsenbelastende Sportarten wie z.B. Gymnastik, Tanzen, Leichtathletik oder Ballspiele, regen den Knochenstoffwechsel dazu an, mehr Kalzium in das Skelettsystem einzulagern und es dadurch stabiler zu machen. 

Welche Nahrungsmittel enthalten besonders viel Kalzium?

Das tägliche Trinken von calziumreichem Mineralwasser ist die einfachste Methode für eine hohe Calziumzufuhr. Auch Milch und Milchprodukte enthalten besonders viel Calzium, je konzentrierter die Milch darin, desto mehr. So kann Hartkäse wie Parmesan mit ca. 1200mg/100g die bis zu zehnfache Menge an Calzium enthalten wie dieselbe Menge Milch. Wichtig ist, nicht den gesamten Tagesbedarf an Calzium mit einer Portion aufzunehmen, denn das kann der Körper nicht verwerten.

Unter den Lebensmitteln gibt es allerdings auch sogenannte «Kalziumräuber», die Calzium aus den Knochen ausbauen. Dazu gehören Lebensmittel wie z.B. verarbeitete Wurstwaren,  Koch- und Schmelzkäse, Limonaden/Cola, Schokolade und geröstete Erdnüsse mit einer ungünstigen Calzium/Phosphor-Bilanz. Phosphatzusätze in Lebensmitteln sind durch die E-Nummern E 338-341, 343 und 450-452 gekennzeichnet. 

Welche Nahrungsmittel können Kuhmilch als Kalziumlieferant ersetzen?

Joghurt zum Beispiel kann man aus Pflanzenmilch mit Probiotika gleich wie Kuhmilchjoghurt herstellen. Unter den Gemüsesorten sind Grünkohl, Brokkoli, Fenchel und Chinakohl mit bis zu 250mg in 100g Vorreiter. Mit Nüssen und Samen ist es sehr schnell möglich, besonders viel Calzium aufzunehmen, z.B. mit Mohn (2500mg/100g), Sesam- oder Leinsamen (800mg/100g) oder Mandeln und Haselnüssen (200-250mg/100g). Auch Hülsenfrüchte und die Pseudogetreide Quinoa und Amarant sind gute zusätzliche Kalziumquellen. 

Jeanette Zürrer ist nach dem Telefonat schon etwas weniger beunruhigt, weil sie jetzt weiss, dass sie sowohl für sich selbst, wie besonders für ihre zwei Töchter (2 und 4 Jahre) mit einfachen Mitteln viel für deren lebenslange Knochengesundheit beitragen kann. Ihrer Nachbarin will sie am nächsten Tag sogar einen kleinen Blumenstrauss vorbeibringen, weil die sie ja erst aufmerksam gemacht und damit zum klärenden Anruf bei santé24 beigetragen hat.   

 

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Chefärztin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.

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