Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Kann man von Grippe auch Verstopfung bekommen?

«Mein kleiner Sohn Adrian (4J) war die letzten zehn Tage mehr oder weniger krank und lag im Bett oder auf dem Sofa. Er hatte wahrscheinlich Grippe mit Schnupfen, Husten, auch Hals- und Ohrenweh und ziemlich hohem Fieber. Wir konnten aber alles ganz gut in den Griff bekommen,

Dr. Silke Schmitt Oggier - Med.Leiterin sante24
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SWICA Gesundheitsorganisation

aber er war natürlich sehr reduziert in seinen Aktivitäten und auch im Essen. Bananen und Schoggi-Glacé war fast das einzige, das er gegessen hat. Jetzt geht es ihm langsam wieder besser, aber er kann nicht mehr richtig aufs WC gehen seit mehreren Tagen. Gehört das auch zur Grippe, dass man verstopft wird?» Die santé24 Gesundheitsberaterin fragt noch genauer nach, wie viele Tage Adrian schon nicht mehr stuhlen konnte, ob beim letzten erinnerlichen Stuhlgang Blut am WC-Papier oder auf dem Stuhl zu sehen war und ob er über Bauchschmerzen oder Übelkeit klagt. Da nichts Beängstigendes eruiert werden kann, kann die Gesundheitsberaterin Nina Ackermann erst einmal gute Tipps zur Selbstbehandlung geben.

 

Wann spricht man von Verstopfung?
Von Verstopfung ist die Rede, wenn der Stuhlgang (zu) selten und/oder (zu) hart oder mit anderen körperlichen oder Verhaltens-Schwierigkeiten verbunden ist. Kinder nach dem Säuglingsalter und Erwachsene können auch zwei bis drei Tage keinen Stuhlgang haben. Solange sie keine Beschwerden haben, muss man in der Regel nichts unternehmen. Bei Säuglingen unterscheidet man, ob sie noch gestillt sind oder nicht. Bei gestillten Säuglingen gilt für den Stuhlgang zwischen 10 mal pro Tag und einmal alle 10 Tage als normal und bei Schoppen-ernährten wie später alle Tage bis zu drei Tagen.

Wodurch kann eine Verstopfung ausgelöst werden?
Bei sonst gesunden Kindern und Erwachsenen sind hauptsächlich Ernährungsumstellung, Flüssigkeitsmangel und wenig Bewegung für die Entwicklung einer Verstopfung verantwortlich. Auch manche Medikamente wie Eisenpräparate, starke Schmerz- oder Schlafmittel oder Krankheiten wie z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion können vor allem bei Erwachsenen zu Verstopfung führen. Selten gibt es auch angeborene Störungen im Darm, dann treten aber schon von Anfang an Probleme mit der Stuhlentleerung auf. Komplikationen oder Spätfolgen einer Bauch- oder Darmoperation können den Darm auch einengen oder verschliessen und so zu einer allmählichen Verstopfung oder sogar zu einem akuten Darmverschluss führen.

Was sind die Symptome einer Verstopfung?
Neben dem meist zu seltenen, wenigen und harten Stuhlgang gehen Symptome wie Bauchschmerzen vor oder im Zusammenhang mit einer Darmentleerung, Schmerzen am Darmausgang oder beim Stuhlen oder Blut am Stuhl oder am WC-Papier oft mit Verstopfung einher. Dies, weil die Entleerung harter Stuhlballen unter Druck nicht selten am Schliessmuskel Verletzungen verursacht, die bluten können und vor allem längerfristig unangenehm schmerzhaft sind. Gerade bei kleinen Kindern kann dies auch zu einer Vermeidungshaltung führen. Sie versuchen dann, den Stuhl noch mehr zurückzuhalten und lösen damit einen Teufelskreis aus, da der Stuhl im Darm dadurch immer härter und schwerer zu entleeren wird. Völlegefühl und Blähungen können in allen Alterskategorien begleitend vorkommen, aber auch andere Ursachen haben.

Gibt es auch Anzeichen, die man falsch interpretieren könnte?
Ja, wenn nämlich der Stuhl zu lange zurückgehalten wird bzw. sich im Dickdarm ansammelt, kann es zu einem sogenannten Überlaufphänomen kommen: neuere Stuhlmengen, die noch recht weich und flüssig sind, quetschen sich neben den harten Kotballen vorbei und erscheinen dann sogar als Durchfall. Andere Zeichen können auch unwillkürlicher Stuhlabgang bei einem ansonsten schon windelfreien Kind oder Stuhlstreifen (Stuhlschmieren) in der Unterhose sein.

Wie behandelt man Verstopfung?
In der Akutphase und vor allem, wenn Schmerzen die Stuhlentleerung erschweren, sollte man mit stuhlaufweichenden Zäpfchen und/oder Mini-Einläufen versuchen, die Entleerung zu vereinfachen. Zusätzlich können z.B. Flohsamen-Präparate, die zusammen mit genug Flüssigkeit für eine schleimig-weiche Stuhlkonsistenz sorgen oder andere Abführmittel den Stuhl aufweichen und so einen schmerzfreien Stuhlgang ermöglichen. Für die Behandlung von längerdauernder Verstopfung kann auch «Toilettentraining» erfolgreich sein, indem man den natürlichen Darmentleerungs-Reflex nach dem Essen versucht zu aktivieren und das Kind 1-3x/Tag nach dem Essen auf die Toilette setzt. Dabei ist eine entspannte Sitzposition evtl. mit Fussschemel wichtig. Vermeiden muss man Manipulationen oder Stimulationen am Darmausgang z.B. mit einem Fieberthermometer, da dies zu Verletzungen führen kann, vor allem, wenn das Kind sich dabei bewegt.

 

Adrian war tatsächlich schon drei Tage nicht mehr auf dem WC, andere Symptome zeigt er aber nicht und die beginnende Verstopfung lässt sich gut mit der Inaktivität, dem relativen Flüssigkeitsmangel wegen des Fiebers und der speziellen Ernährung während der Grippe erklären. Eine direkte Nebenwirkung der Grippe ist die Verstopfung allerdings nicht. Die santé24-Gesundheitsberaterin empfiehlt Nina Ackermann jetzt erst einmal, es bei ihrem Sohn mit viel Aktivität, mit viel Flüssigkeit in Form von verdünntem Apfelsaft zu probieren und ihm zusätzlich jeweils Flohsamen zusammen mit relativ viel Milch ins Müesli zu geben, das er gerne zum Frühstück und Zvieri isst. Nach spätestens zwei Tagen sollte der Stuhlgang allerdings erfolgen, sonst müsste sie nochmals anrufen oder ihren Kinderarzt kontaktieren. Dies natürlich auch bei Bauchschmerzen oder anderen zusätzlichen Symptomen.

 

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.

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