Wirtschaft

Grüne Mode - mit umweltschonender Kleidung zu einem nachhaltigen Lebensstil

Umweltschutz ist in der heutigen Zeit stark präsent und wohl wichtiger als jemals zuvor. Der Lebensraum von Menschen, Pflanzen und Tieren hat sich aufgrund des nachlässigen Umgangs mit der Erde in eine Richtung entwickelt, die schwere negative Folgen mit sich bringen kann..

Was genau ist grüne Mode?
Kategorie:
Autor:
Luzia Ebnöther

..und bereits mit sich bringt. Der Klimawandel ist dabei nur einer von vielen Punkten, bei denen Handlungsbedarf besteht. Während einige Verbesserungen in erster Linie von der Wirtschaft und der Politik in die Wege geleitet werden müssen, um Besserungen hervorbringen zu können, so können aber auch einzelne Menschen etwas Gutes tun, um die Umwelt zu schonen und einen Schritt in Richtung Rettung eben jener zu gehen. Eine Möglichkeit ist das bewusste Einkaufen. Nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei der Kleidung.

Denn zwar ist es mittlerweile ganz normal, dass Bio-Lebensmittel im Supermarkt gekauft werden, selbst wenn diese teurer sind als die konkurrierende Industrieware – für Bio-Kleidung gilt dies jedoch nur in geringem Umfang, zumal die Hersteller noch relativ unbekannt sind und gerade bei der Jugend noch nicht auf ganzer Linie überzeugen können.

Was genau ist grüne Mode?
Grüne Mode oder Öko-Mode hatte für modebewusste Damen und Herren lange Zeit einen negativen Beigeschmack. Böse Zungen sprachen gar von Kartoffelsäcken statt Kleidungsstücken. Und tatsächlich war die grüne Mode in der Vergangenheit weniger schick, sie schien vielmehr altbacken, schlicht, langweilig und war auf den ersten Blick stets als „typisch Öko“ zu erkennen. Dieses Bild hat sich mittlerweile jedoch gewandelt. Grüne Mode ist zu Recht als Mode zu bezeichnen, denn diverse Designer haben es geschafft, umweltbewusste Kleidung so in Szene zu setzen, dass sie auch neben Konkurrenzprodukten überzeugen kann. Grüne Mode einer Stilrichtung zuzuordnen, geht heute nicht mehr. Stattdessen lässt sie sich über das Wesentliche und Wichtigste definieren, so kann sie zum Beispiel:

  • kontrolliert und ethisch korrekt hergestellt worden sein
  • zertifizierte Stoffe beinhalten
  • aus recyceltem Material bestehen (Upcycling)
  • schonend und chemiefrei bearbeitet worden sein
  • fair gehandelt worden sein

Um sicherzugehen, dass es sich bei der jeweils angebotenen Ware tatsächlich um grüne Mode handelt, existieren außerdem unterschiedliche Siegel, die den Verbraucher über Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit des jeweiligen Kleidungsstücks informieren.

Die Siegel
Die Siegel im Bereich der umweltfreundlichen Kleidungsstücke sind vielfältig und sollen dem Käufer vermitteln, dass er mit dem gekauften Produkt eine Ware erhält, die umweltschonend hergestellt worden und ökologisch einwandfrei ist. Allerdings gilt es auch hier zu differenzieren: Was steckt wirklich dahinter, was sagt welches Siegel aus, wie viel Vertrauen kann in ein Label gesteckt werden? Manche Siegel sind allseits bekannt, selbst wenn man nicht auf Öko-Kleidung achtet. Andere hingegen werden nur selten verwendet. Problematisch ist dabei für den Käufer, dass immer mehr Siegel entstehen, die oftmals von unabhängigen Organisationen entwickelt werden – oder gar vom Hersteller selbst. Greenpeace hat eben solche Siegel getestet und sie nach Glaubwürdigkeit (welche Versprechen werden gemacht und von wem werden sie kontrolliert?), Umweltaspekten (welche Materialien und Chemikalien sind zum Einsatz gekommen, wie verhält es sich bei der Herstellung mit dem Energieverbrauch, dem Umgang mit der Luft und wie wird die Ware verpackt?) und Sozialaspekten (wie verhält es sich mit Mindestpreisen, Sozialprämien, Arbeitsschutz und Arbeitsbedingungen?) beurteilt.

Dabei ist Greenpeace zu dem Entschluss gekommen, dass zurzeit noch keines der gängigen Label wirklich perfekt ist. Allerdings bezieht sich das vor allem auf die elf Detox-Chemikalien. Die darauf basierende sogenannte Detox-Kampagne hat sich zum Ziel gesetzt, die Textilindustrie zu entgiften, denn die elf  Substanzgruppen (darunter beispielsweise Azofarben, Chlorbenzole und Schwermetalle) werden vor allem in den großen Textilindustrie-Ländern China, Indonesien und Mexiko eingesetzt, wodurch sich die schädlichen Chemikalien global in den Gewässerkreisläufen verbreiten.

https://www.youtube.com/watch?v=yqgrrzbOYbA

Dass die getesteten Siegel nicht perfekt sind, bedeutet aber längst nicht, dass sie nicht dennoch gut und sinnvoll sind. Grenzwerte werden eingehalten, doch gibt es hier und da Verbesserungsbedarf bzw. schärfere Kontrollen. Nichtsdestotrotz kann den folgenden Siegeln dennoch vertraut werden, da sie sich an ihre Versprechen halten und Inhaltsstoffe – auch chemische – ordnungsgemäß auflisten:

GOTS (Global Organic Textile Standard)
Der Testsieger bei Greenpeace und demnach sehr zu empfehlen ist GOTS. Dieses Siegel ist ausschließlich für Naturfaser-Textilien gültig und definiert dabei seine Anforderungen vom Anbau der Rohstoffe bis hin zum fertigen Produkt und berücksichtigt auch soziale Aspekte. Dieses Siegel ist oftmals bei Aktionsware in Discountern, in sogenannten Green Fashion Concept Stores oder auch in Supermärkten der REWE-Kette zu finden.

IVN Best
Auch dieses Siegel hat sich auf Naturfasern spezialisiert und legt dabei sehr hohe Ansprüche an den Tag. Nur Fasern aus zu 100% kontrolliert biologischem Anbau dürfen verwendet werden, um mit diesem Siegel ausgezeichnet zu werden. Zu finden sind Kleidungsstücke mit diesem Siegel in speziellen Naturgeschäften.

Bluesign
Das Label bluesign achtet gleich auf mehrere Bereiche: Umweltfreundlichkeit, Ressourceneffizienz, wirtschaftliche und nachhaltige Herstellung. Darunter fallen wichtige Punkte wie zum Beispiel der Immissionsschutz, die Arbeitssicherheit, der Gewässerschutz und auch der Verbraucherschutz. Von den von Greenpeace getesteten Siegeln ist bluesign jenes, das am konsequentesten Grenzwerte für Einzelsubstanzen aus den Gruppen der Weichmacher und Azofarbstoffe festlegt. Da dieses Siegel vor allem bei Outdoor-Produkten zu finden ist, kann auf die Verwendung von Chemikalien nicht immer gänzlich verzichtet werden, um das Produkt wetterfest zu machen. Jedoch achtet bluesign auf eine umfangreiche und detaillierte Chemikalienregelung. Wer sich über die Grundsätze des Labels ein genaueres Bild machen möchte, kann diese noch detaillierter unter http://www.sportscheck.ch/beratung/bluesign/ erfahren.

 

ÖkoTex 100

Die Palette an Umweltsiegeln ist noch viel größer, doch wird wohl das folgende am häufigsten verwendet und ist jedem bekannt: ÖkoTex 100. Dank des grünen Bogens und dem gelben Schriftzug „Textiles Vertrauen“ fällt dieses Label schnell ins Auge und bleibt im Gedächtnis. Allerdings stellt sich die Frage, warum gerade dieses Siegel so weit verbreitet ist und wie es kommt, dass so viele Textilien damit ausgezeichnet werden können. Niedrige Anforderungen lautet die Antwort. Seit 1992 wird das Siegel von der Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung vergeben und laut eigener Aussage gehen die Anforderungen deutlich über bestehende nationale Gesetze hinaus. Allerdings spielt bei der Vergabe des ÖkoTex 100 nur die Prüfung auf Schadstoff-Rückstände eine Rolle. Es finden keine Betriebsprüfungen statt, sodass das Siegel keinerlei Aussagen über den Rohstoffanbau, die Arbeitsbedingungen und die Herstellungsbedingungen trifft. Das seit 2004 bestehende Siegel ÖkoTex100plus hingegen ist aufgrund der höheren Anforderungen weniger vertreten – bei diesen Produkten findet eine Betriebsprüfung statt, sodass deutlich weniger als 100 Hersteller in den Genuss dieses Siegels kommen, während es bei der Basis-Version mehrere tausend Hersteller sind.

 

Mode für jeden Geschmack

Wie bereits eingangs angesprochen, bedeutet grüne Mode längst keinen Einheitslook mehr. Das beweist nicht nur die Tatsache, dass neben den üblichen Pullovern und Hosen auch Outdoor-Kleidung ein Öko-Siegel erhalten kann, sondern ganz aktuell beispielsweise die Berliner Fashion Week. Die wichtige Woche für Modebewusste im deutschsprachigen und internationalen Raum zeigte in diesem Jahr nicht nur die extravaganten Ausführungen bekannter Designer, sondern bot vom 8. bis 10. Juli auch Herstellern von Öko-Kleidung eine Bühne – durch die sogenannten grünen Modemessen. Der Green Showroom und die Ethical Fashion Show waren so gut frequentiert wie noch nie und lockten zahlreiche Besucher an, die sich in Zukunft nicht nur gesund ernähren wollen, sondern auch bei ihrer Kleidung sowohl auf einen gewissen Stil als auch auf die Umwelt achten wollen. Wie modern und vielseitig die neue grüne Mode aussehen kann, zeigt beispielsweise ein Beitrag von nachhaltigleben.ch.

Das zu bestaunende Angebot war dabei vielfältig, von der edlen Abendgarderobe über das Outfit für den Alltag bis hin zu Schuhen und Accessoires wurde die gesamte nachhaltige Palette geboten. Zwar hatte es die grüne Modemesse nur auf das Fachpublikum abgesehen, jedoch ist es eben dieses, das die Kollektionen für 2016 in die Läden bringt.

So lautete das Motto der grünen Modemesse und scheint durchaus passend gewählt. Denn grüne Mode bedeutet nicht nur, dass die Produktion überwacht, die Ware unter fairen Bedingungen hergestellt und so wenig Chemikalien wie möglich verwendet worden sind. Für den Endverbraucher ist es vor allem die Langlebigkeit, die überzeugen muss. Das bedeutet, dass der Käufer sie auswählt, um sie nicht nur den aktuellen Sommer oder den kommenden Winter über zu tragen, sondern auch im nächsten und darauf folgenden Jahr erneut aus dem Schrank zu nehmen. Das heißt aber auch, dass – wenn das Kleidungsstück nicht mehr gefallen sollte oder zu klein oder zu groß geworden ist – damit kein Müll produziert wird, sondern das Textil so robust ist, dass es weiterverkauft, verschenkt oder gespendet werden kann. Oder dass es zumindest, wenn es kaputt gegangen sein sollte, wiederverwertet werden kann. So kann zum Beispiel aus einem ohnehin nachhaltigen Produkt ein „uprecyceltes Produkt“ entstehen und schon zeichnet sich die Nachhaltigkeit gleich doppelt aus.

https://www.youtube.com/watch?v=U1CJgeWzZ88

Den einzig negativen Aspekt, den umweltbewusste Mode derzeit in vielen Fällen noch mit sich bringt, ist der Preis. Aber: Wer sich im Supermarkt für die teureren Bio-Lebensmittel entscheidet, hat seinen triftigen Grund. Eben dieser Grund trifft auch auf Kleidung zu. Oftmals ist grüne Mode etwas teurer als die Ware von der Stange – aber aus nachvollziehbaren Gründen.

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