Lächelndes Kleinkind mit blonden Haaren, das an einem Tisch mit Holzspielzeugen spielt
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Weniger Spielzeug, mehr Spiel: Warum Kinder nicht ständig Neues brauchen

Das Kinderzimmer ist voll – und trotzdem kommt der Satz: «Mir ist langweilig.» Viele Eltern kennen diese Situation. Dabei liegt es nicht unbedingt daran, dass das richtige Spielzeug fehlt. Manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall: Es gibt so viel Auswahl, dass es schwierig wird, sich länger auf eine Sache einzulassen.

Kinder brauchen nicht ständig neues Spielzeug, um neue Spielideen zu entwickeln. Oft sind es gerade die schlichten Dinge, die immer wieder hervorgeholt werden: Bausteine, Tiere, Figuren, Fahrzeuge oder Dinge für Rollenspiele.

Denn gutes Spielzeug muss nicht möglichst viel können. Es sollte vor allem eines ermöglichen: dass Kinder selbst etwas damit machen können.


Wenn weniger Auswahl neue Ideen schafft

Eine grosse Auswahl klingt zunächst positiv. Doch wer vor einem übervollen Spielzeugregal steht, muss sich zuerst entscheiden: Womit möchte ich überhaupt spielen?

Eine überschaubare Auswahl kann es Kindern leichter machen, sich auf einzelne Spielsachen einzulassen und eigene Ideen zu entwickeln. Darauf deutet auch eine Studie der University of Toledo aus dem Jahr 2018 hin: Kleinkinder, die nur vier statt sechzehn Spielsachen zur Verfügung hatten, beschäftigten sich länger mit dem einzelnen Spielzeug und spielten auf vielfältigere Weise damit.

Dabei geht es keineswegs darum, das Kinderzimmer leerzuräumen. Vielmehr lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Welche Spielsachen werden immer wieder benutzt? Welche verschwinden nach wenigen Tagen in einer Kiste?

Oft sind es nicht die spektakulärsten Spielsachen, die über lange Zeit begeistern.

Spielzeug muss nicht alles vorgeben

Manches Spielzeug zeigt ziemlich genau, was damit gemacht werden soll. Ein Knopf wird gedrückt, ein Geräusch ertönt oder eine bestimmte Funktion wird ausgelöst.

Offenes Spielzeug funktioniert anders.

Ein schlichter Holzbaustein ist zunächst nur ein Baustein. In den Händen eines Kindes kann daraus aber fast alles werden: ein Haus, eine Brücke, ein Bett für eine Spielfigur, eine Garage oder sogar ein Stück Kuchen im Kaufladen.

Je weniger ein Spielzeug vorgibt, desto mehr muss die eigene Fantasie übernehmen.

Gerade Holzbausteine, Figuren, Holztiere oder anderes vielseitig einsetzbares Spielzeug bleiben deshalb oft über mehrere Entwicklungsphasen hinweg spannend.

Spielzeug, das mit dem Kind mitwächst

Das lässt sich gut an Holztieren beobachten.

Ein kleines Kind nimmt eine Kuh vielleicht zunächst einfach in die Hand, betrachtet sie und lernt irgendwann das Wort «Kuh». Etwas später steht die Kuh auf einem Bauernhof. Noch später bekommt sie einen Namen und wird Teil einer ausführlichen Geschichte.

Das Spielzeug ist dasselbe geblieben. Verändert hat sich das Kind – und damit die Art, wie es spielt.

Ähnlich funktioniert es mit Bausteinen, Fahrzeugen, Kugelbahnen oder Zubehör für einen Kaufladen. Die Spielideen werden mit zunehmendem Alter komplexer. Wie das schon bei den Kleinsten aussehen kann, zeigen wir in unseren Spielideen mit Holzspielzeug für Kinder ab 1 Jahr.

Beim Kauf kann deshalb diese Frage hilfreich sein:

Was kann mein Kind heute mit diesem Spielzeug machen – und was vielleicht in einem oder zwei Jahren?

Bauen, statt nur zuschauen

Beim Bauen gibt es kaum ein fertiges Ergebnis, das vorgegeben ist.

Aus denselben Bausteinen entsteht heute ein hoher Turm. Morgen wird daraus eine Strasse und am Wochenende vielleicht eine Burg.

Dabei probieren Kinder aus, was funktioniert und was nicht. Warum fällt der Turm um? Wie lässt sich eine Brücke bauen? Welcher Stein passt noch darauf?

Das Ergebnis ist dabei gar nicht immer das Wichtigste. Entscheidend ist der Weg dorthin: ausprobieren, verändern, nochmals versuchen.

Genau deshalb werden schlichte Bau- und Konstruktionsspiele selten langweilig.

Rollenspiele verändern sich ständig

Auch Rollenspiele brauchen oft erstaunlich wenig Material.

Ein paar Lebensmittel aus Holz, eine Einkaufstasche und eine Kasse – schon kann ein kleiner Laden entstehen. Morgen wird daraus vielleicht ein Restaurant und übermorgen kocht das Kind für seine Stofftiere.

Beim Rollenspiel verarbeitet ein Kind Situationen, die es aus seinem Alltag kennt. Einkaufen, kochen, telefonieren, jemanden untersuchen oder ein Tier versorgen – plötzlich wird das Kinderzimmer zur eigenen kleinen Welt.

Ein Kaufladen, eine Spielküche oder einzelne Spielfiguren geben dafür einen Rahmen vor, ohne die Geschichte festzulegen.

Spielzeugrotation: Spielsachen einfach einmal verschwinden lassen

Nicht jedes vorhandene Spielzeug muss ständig verfügbar sein.

Eine bewährte Möglichkeit ist die sogenannte Spielzeugrotation: Ein Teil der Spielsachen wird für einige Wochen weggeräumt. Einige bleiben im Kinderzimmer, andere kommen in eine Kiste oder einen Schrank. Nach einiger Zeit wird gewechselt.

Im Alltag kann das ganz unkompliziert aussehen: Die Bausteine, ein paar Tiere und der Kaufladen bleiben draussen, Fahrzeuge und Puzzles ruhen im Keller. Einen Monat später wird getauscht – und die Kugelbahn, die seit Wochen niemand beachtet hat, ist plötzlich wieder der Mittelpunkt des Nachmittags.

Bekanntes Spielzeug kann so wieder spannend wirken, obwohl überhaupt nichts Neues gekauft wurde. Kinder entdecken es erneut – und manchmal auf eine ganz andere Weise als einige Monate zuvor.

Qualität kann wichtiger sein als Menge

Wenn Spielzeug über mehrere Jahre verwendet werden soll, spielt auch seine Qualität eine Rolle.

Robustes Spielzeug lässt sich länger nutzen, weitergeben und manchmal sogar von mehreren Generationen verwenden. Holzspielzeug kann hier Vorteile haben, sofern es hochwertig verarbeitet und für den vorgesehenen Altersbereich geeignet ist.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Holz automatisch besser ist als jedes andere Material. Entscheidend sind unter anderem Verarbeitung, Sicherheit, Herkunft, Haltbarkeit und die Frage, wie vielseitig das Spielzeug tatsächlich verwendet werden kann.

Weniger, dafür sorgfältig ausgewähltes Spielzeug kann deshalb eine lohnende Alternative zu einem ständig wachsenden Spielzeugberg sein.

Was macht ein Spielzeug langfristig spannend?

Vor dem Kauf können ein paar Fragen helfen:

  • Kann das Kind selbst bestimmen, wie es damit spielt?
  • Gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Spielzeug zu verwenden?
  • Passt es auch noch zu einer späteren Entwicklungsphase?
  • Lässt es sich mit bereits vorhandenem Spielzeug kombinieren?
  • Ist es robust genug, um häufig benutzt zu werden?
  • Wird Fantasie benötigt – oder übernimmt das Spielzeug bereits alles?

Nicht jedes Spielzeug muss alle diese Kriterien erfüllen. Ein Lieblingsspielzeug darf auch einfach Spass machen. Die Fragen helfen aber dabei, Spielsachen zu finden, die voraussichtlich länger als nur ein paar Wochen begeistern.

Weniger Spielzeug bedeutet nicht weniger Spass

Kinder brauchen Abwechslung – aber Abwechslung muss nicht ständig durch neue Spielsachen entstehen.

Manchmal entsteht sie dadurch, dass Bekanntes anders kombiniert wird. Die Holztiere ziehen in das Haus aus Bausteinen ein. Die Bauklötze werden zu Lebensmitteln. Ein Karton wird zum Bus und die Spielfiguren fahren in die Ferien.

Gerade darin liegt ein wichtiger Teil des Spielens: Kinder erschaffen etwas, das vorher noch nicht da war.

Vielleicht lautet die bessere Frage beim nächsten Spielzeugkauf deshalb nicht:

«Was kann dieses Spielzeug?»

Sondern:

«Was kann mein Kind damit machen?»

Spielzeug für eigene Ideen

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