Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Kann Endometriose am unerfüllten Kinderwunsch schuld sein?

Iris Zinnen (34) klingt emotional sehr aufgewühlt am santé24-Telefon: «Ich kommen gerade von meiner Gynäkologin, die mir gesagt hat, unser unerfüllter Kinderwunsch könnte eventuell an einer Endometriose liegen. Sie hat mir zwar

Dr. med. Silke Schmitt Oggier - Med. Leiterin santé24
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SWICA Gesundheitsorganisation

erklärt, was das ist, aber ich konnte gar nicht richtig zuhören. Auf jeden Fall will sie eine Bauchspiegelung machen, aber ich habe Angst, dass dies das Problem evtl. noch verschlimmert, weil man in den Körper eingreift!? Können Sie mir das in Ruhe erklären? » Die santé24 Gesundheitsberaterin erfragt noch ein paar Infos, was schon alles abgeklärt worden ist und ob es Grundkrankheiten oder ständige notwendige Medikamente gibt. Anschliessend empfiehlt sie Iris Zinnen, einen Termin in der virtuellen gynäkologischen Sprechstunde der santé24-Gynäkologin zu vereinbaren, damit die Expertin sich wirklich Zeit nehmen und mit ihr alle Fragen durchgehen kann. 

 

Was ist Endometriose?

Als Endometriose bezeichnet man den Umstand, dass es «Inseln» von Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter irgendwo im Körper gibt. Meist ist dies irgendwo in der Bauchhöhle, beispielsweise aussen an der Gebärmutter oder an den Eierstöcken oder Eileitern oder an anderen Organen wie Blase oder Darm – manchmal auch weiter weg, wie in der Nase. Wie die Gebärmutterschleimhaut dort hinkommt, ist unklar, da die gängigen Theorien nicht alle Orte abdecken würden.


Was ist denn das Problem dieser versprengten Gebärmutterschleimhaut?

Die Gebärmutterschleimhaut ist hormonsensitiv und baut sich normalerweise während des weiblichen Zyklus auf, um eine befruchtete Eizelle aufnehmen zu können oder im Rahmen der Mens abgestossen zu werden, wenn es zu keiner Befruchtung gekommen ist. Auf die hormonelle Stimulation reagieren auch die Gebärmutterschleimhautzellen, die sich ausserhalb der Gebärmutter befinden. Dies ist nicht immer angenehm, vor allem nicht während der Mens, wenn auch diese Zellen untergehen und Blut absondern. Die Zellreste und das Blut können in der Bauchhöhle zu Schmerzen oder Verklebungen führen oder in der Nase zu monatlichem Nasenbluten. Manchmal ist aber nicht das das Problem, sondern dass die «Zell-Inseln» irgendwo sitzen, wo sie mechanisch stören oder einen Durchgang behindern, beispielsweise an den Eileitern oder in der Gebärmutterwand.


Welche Symptome kann Endometriose verursachen?

Manche Patientinnen haben keinerlei Beschwerden und werden erst im Rahmen einer Kinderwunschabklärung mit damit konfrontiert. Andere berichten von sehr starken Mensbeschwerden/-schmerzen, von Unterleibschmerzen auch unabhängig von der Mens oder von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlösen oder beim Stuhlgang. Das oben erwähnte monatliche Nasenbluten ist allerdings eine Rarität.


Wie kann man das diagnostizieren?

Bei typischen Symptomen wird auch nach Endometriose in der Familie gefragt, etwa bei der Mutter oder Schwester. Nach einer eingehenden gynäkologischen Tastuntersuchung kann eine Ultraschalluntersuchung, am besten über die Scheide, wertvolle Informationen liefern. Damit können oftmals grössere Endometriose-Inseln, Zysten oder Verklebungen erkannt werden. Auch Harnleiter und Nierenumgebung sollten untersucht werden. Anschliessend wird meistens noch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) über den Nabel durchgeführt, um die Befunde genauer anzusehen und um Gewebeproben zu entnehmen, mit denen eine genauere Klassifizierung des Schweregrads der eigentlich gutartigen Erkrankung möglich ist. Manche Herde kann man auch erst mit der Laparoskopie entdecken.


Wie kann man eine Endometriose behandeln?

Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen. Bei Schmerzen versucht man in erster Linie eine medikamentöse Therapie. Diese besteht in einer Mischung aus Schmerzmitteln und hormonell wirksamen Medikamenten wie Verhütungspillen oder anderen zyklusregulierende Substanzen. Die medikamentöse Therapie kann die Endometriose allerdings nicht heilen, sondern nur beruhigen. Wenn der unerfüllte Kinderwunsch das Hauptproblem ist, dann kann eine Verbesserung der Schwangerschaftschancen nur über eine möglichst sanfte operative minimal-invasive Entfernung der störenden Endometriose-Herde erreicht werden. Dies kann helfen, auf natürlichem Weg schwanger zu werden und erhöht auch die Erfolgsrate bei künstlicher Befruchtung.

Nach dem ausführlichen Gespräch mit der snaté24-Gynäkologin, die Iris Zinnen alles genau erklärt hat, fühlt sie sich gut vorbereitet auf ihren nächsten Termin bei ihrer Frauenärztin, um mit ihr die nächsten Schritte zu besprechen. Auch ihrem Mann, der sie begleiten wird, haben die Erklärungen am Telefon und einige links zu Computerseiten mit guten Informationen sehr geholfen.


Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.

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