Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Vom Trip-Trap gefallen und jetzt?

«Unser kleiner Sohn Lukas (elf Monate) ist heute Morgen vom Sofa auf den Parkettboden gefallen, als wir in der Küche waren. Er hat geweint, aber danach ging es ihm eigentlich nicht schlecht, doch jetzt ist er irgendwie komisch. Man

Dr. med. Silke Schmitt Oggier - Med. Leiterin santé24
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SWICA Gesundheitsorganisation

sieht keine äusserliche Verletzung. Müssen wir etwas unternehmen?» fragt Carla Ammann um die Mittags-zeit am santé24-Telefon. Die Gesundheitsberaterin stellt ein paar Fragen. Schnell wird klar, dass Carla und Nico Ammann wegen Verdacht auf eine Gehirnerschüt-terung mit ihrem Sohn in den Kindernotfall ins Spital fahren sollte.


Was sind die Symptome einer Gehirnerschütterung?

Direkt nach einem Sturz auf den Kopf ist das klarste Zeichen einer Gehirnerschütterung eine kurze Bewusstlosigkeit von wenigen Sekunden bis zu wenige Minuten, Erbrechen und Erinnerungslücken, was den Unfall oder Unfallhergang angeht. Symptome können allerdings auch erst nach mehreren Stunden auftreten. Deshalb muss man ein Kind nach einem Unfall mit Kopfbeteiligung unbedingt für einen längeren Zeitraum im Auge behalten. Bei Kopfschmerzen, Erbrechen oder Übelkeit, Schwindel, Doppelbildern, ungleich grossen Pupillen, verwaschener Sprache, unkoordinierten Bewegungen, einer Wesensveränderung oder unüblicher Schläfrigkeit sollte das Kind unbedingt rasch von einem Kinderarzt untersucht werden.


Wieso ist ein Sturz auf den Kopf bei Kindern unter einem Jahr besonders gefährlich?

Der Schädel ist zwar anfänglich noch nicht ganz verknöchert, so dass er sich während der Geburt auch verformen kann. Trotzdem kommen Brüche bei kleinen Kindern nach Kopfstürzen relativ häufig vor. Ausserdem können kleine Kinder keine Auskunft über ihre Symptome geben und diese zu bemerken und richtig einzuschätzen ist nicht ganz einfach. Am wichtigsten ist es, darauf zu achten, ob das Kind sich irgendwie anders verhält als man es sonst von ihm gewohnt ist, beispielsweise, ob es schlechter sitzen oder krabbeln kann, bei Lieblingsspielsachen daneben greift, sehr weinerlich ist oder ausserhalb der regulären Schlafenszeiten immer wieder einschläft.


Was passiert im Gehirn bei einer Gehirnerschütterung?

Das Gehirn schwimmt im Hirnwasser, so dass es innerhalb der Schädelknochen eigentlich gut geschützt und etwas beweglich ist. Ist der Aufprall jedoch stark, stösst das Gehirn auf der gegenüberliegenden Seite am Schädelknochen an und Zellen gehen kaputt. Dies, ohne dass von aussen eine Verletzung sichtbar sein muss. Hirngefässe, die nicht so dehnbar sind, können dabei reissen oder einreissen und zu schnell oder langsam grösser werdenden Blutungen im Schädelinneren führen. Dadurch entsteht zunehmender Druck aufs Gehirn, das nicht ausweichen kann, was ohne Massnahmen zum Tod führen kann. Die meisten Fälle von Gehirnerschütterung werden bei Kindern unter fünf Jahren sowie im Teenageralter beobachtet.


Ist eine Beule am Kopf ein Zeichen für einen schweren Sturz?

Eine Beule am Kopf ist eine Prellmarke, die anzeigt, dass der Kopf an einem harten Gegenstand oder Untergrund angeschlagen wurde. Harte Beulen, die sich etwas bläulich verfärben, sind Ausdruck einer kleinen Blutung an der Aussenseite des Schädelknochens, also zwischen Schädelknochen und Haut. Dies ist zwar schmerzhaft, passiert aber relativ schnell. Dies muss nicht, kann aber Zeichen einer Gehirnerschütterung sein; je nachdem, ob und welche Symptome dazukommen. Deutlich wichtiger zu erkennen und ernst zu nehmen sind sogenannte «weiche» Beulen, also kissenartige Beulen, die man eindrücken kann. Diese Art Beule deutet auf einen Bruch im Schädelknochen mit Austritt von Blut oder Hirnwasser bis unter die Haut hin und erfordert sofortiges Handeln.


Was macht man, wenn man den Unfall oder Sturz nicht gesehen hat?

Wenn man den Sturz nicht gesehen hat und das Kind beim Auffinden bewusstlos ist oder wenn blutiges oder wässriges Sekret aus Nase und/oder Ohren rinnt, muss es notfallmässig ins Spital, am besten mit der Ambulanz. Ist das Kind bei Bewusstsein und ansprechbar, wenn man es findet, sollte man, während man das weinende Kind tröstet, zuerst Körper und Kopf auf Prellmarken und blaue Flecken untersuchen. Eine Beule am Kopf oder im Gesicht zeigt, dass der Kopf mitbeteiligt war und irgendwo hart aufgeschlagen ist, also eine Gehirnerschütterung vorliegen kann. Kommen dann Symptome wie oben beschreiben dazu, ist ebenfalls eine notfallmässige Abklärung angezeigt.


Die santé24-Gesundheitberaterin geht aufgrund einer harten Beule an der Kopfseite des Kindes davon aus, dass Lukas mit dem Kopf auf dem Parkettboden aufgeschlagen ist. Ob er sofort geweint hat oder zuerst kurz bewusstlos war, ist unklar. Nachdem er sich anfangs recht schnell trösten liess, verhält er sich jetzt seit ca. einer halben Stunde auffällig: er schwankt beim Sitzen und will am liebsten ganz unbewegt an seine Mama angelehnt sitzen und schlafen, obwohl er sonst ein sehr lebhaftes Kind ist. Aufgrund dieser Schilderungen rät die Gesundheitsberaterin Carla Ammann, sich sofort von ihrem Mann mit Lukas ins nahe gelegene Kinderspital fahren zu lassen, um Lukas dort weiter untersuchen und beobachten zu lassen.
 

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.

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