Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Wie kann ich eine Mittelohrenentzündung von einem «Badeohr» unterscheiden?

Bettina Kalberer ruft am Abend nach der Rückkehr von der Badi bei santé24 an. Eine ihrer beiden Töchter (neun Jahre) klagt über Ohrenweh. Die Symptome scheinen anders als bei früheren Mittelohrentzündungen. Sie möchte einen Rat, wie schnell sie handeln muss,

Dr. Silke Schmitt Oggier - Med.Leiterin sante24
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SWICA Gesundheitsorganisation

da ihre Tochter bei Mittelohrenentzündung bisher immer ein Antibiotikum gebraucht hat. Nur Schmerz- und Entzündungsmittel haben jeweils nicht geholfen. In den Notfall möchte sie nicht. Die santé24-Gesundheitsberaterin sieht in ihrem System, dass Familie Kalberer zu den Nutzern des Telemedizingerätes TytoHome gehört, mit dem sie unter anderem selbst die Ohren ihrer Tochter untersuchen und den Film dem santé24-Arzt für die Diagnosestellung freigeben kann.

 

Wie kann das Telemedizingerät TytoHome helfen, die Diagnose zu stellen?

Mit dem neuartigen Telemedizingerät TytoHome kann man als Laie und mithilfe eines speziellen kleinen Aufsatzes bei sich selbst oder bei einem Kind den äusseren Gehörgang bis zum Trommelfell einsehen und filmen. Diesen Film und etwaige andere Untersuchungen und Angaben kann man den Ärzten von santé24 freigeben, so dass diese die aufgenommenen Bild- und/oder Tonspuren auf der Tyto-Plattform anschauen bzw. anhören können.  So kann man telemedizinisch und ohne den Patient live untersuchen zu müssen, eindeutige Diagnosen stellen und über eine Behandlung entscheiden. Für Patient und Arzt eine angenehme, zeit- und kostensparende neue Möglichkeit.

Was ist der Unterschied zwischen einem «Badeohr» und einer Mittelohrenentzündung?

«Badeohr» oder medizinisch Badeotitis ist der Ausdruck für eine Entzündung des äusseren Gehörgangs, also dem Gang zwischen der Ohrmuschel und dem Trommelfell. Der Ohrenteil hinter dem Trommelfell, das sogenannte Mittelohr, ist nicht betroffen. Oft kommt es zu dieser Gehörgangentzündung nach ausgiebigem Baden, wenn der Gehörgang über längere Zeit viel mit Wasser in Kontakt war. Gefährlich ist auch das Manipulieren im Gehörgang, sei es mit dem Finger oder mit Ohrenstäbchen. Durch kleinste Verletzungen kann es dann noch leichter zu einer Entzündung kommen. Auch Menschen mit Hautproblemen wie Neurodermitis haben ein höheres Risiko für eine Badeotitis, weil die Hautbarriere auch im Gehörgang dann nicht ganz intakt und somit für Erreger leichter zu durchdringen ist.

Welche Symptome hat man dann?

Beiden Krankheiten gemeinsam ist Ohrenweh. Bei der Mittelohrenentzündung ist jedoch meistens noch eine allgemeine Erkältung oder zumindest Schnupfen dabei und es entwickelt sich im Verlauf oft auch Fieber. Bei der Ohrinspektion sieht die Ärztin ein gerötetes, oft auch vorgewölbtes Trommelfell, hinter dem man nicht selten einen Erguss erkennen kann.  In der Regel tut es weh, wenn man gegen den Knochenfortsatz im Kieferwinkel gleich unterhalb vom Ohrläppchen drückt. Bei der Badeotitis dagegen ist durch die Entzündung der Haut des äusseren Gehörgangs vor allem das Manipulieren im Gehörgang höchst schmerzhaft. Fieber ist selten und der Allgemeinzustand in der Regel nicht beeinträchtigt. Das Gehör erscheint zum Teil in Mitleidenschaft gezogen, wodurch man alles nur sehr dumpf wahrnimmt, was aber meist daran liegt, dass vom vielen (Unter-)Tauchen noch Wasser im Gehörgang ist.

Wie bekommt man diese Ohrenentzündungen?

Mittelohrentzündungen werden in der Regel von den banalen Erkältungsviren verursacht. Je kleiner die Verbindung zwischen Nase und Ohren ist, die das Mittelohr belüftet und gesund hält, desto leichter kann diese bei einer Erkältung zuschwellen und eine Mittelohrentzündung auslösen. Kleine Kinder oder Kinder, die eine enge Verbindung oder zusätzlich Polypen haben, sind deshalb anfälliger für Mittelohrenentzündungen. Bei der Badotitis gibt es wohl einen Zusammenhang zwischen kleinsten Verletzungen der Haut im Gehörgang, beispielsweise durchs Reinigen der Ohren mit Ohrenstäbchen, durchs Manipulieren mit dem Finger oder vorbestehenden Hauterkrankungen und Erregern, die schon vorher auf der Haut waren oder durchs Wasser auf die verletzte oder aufgeweichte Haut kommen und eine Entzündung auslösen.

Unterscheidet sich die Behandlung des «Badeohrs» von der der Mitteohrenentzündung?

Die Badeotitis oder Entzündung des äusseren Gehörgangs kann in der Regel lokal mit Antibiotika-Tröpfchen behandelt werden. Dies darf man allerdings nur, wenn sicher keine Verletzung des Trommelfells vorliegt oder Röhrchen eingelegt sind. Zusätzlich können bei Bedarf Schmerzmittel hilfreich sein. Bei der Mittelohrenentzündung versucht man heutzutage erst einmal eine Therapie mit abschwellenden und scherzlindernden Medikamenten und Nasenspray für ein bis zwei Tage. Nützt dies nichts, muss die Mittelohrentzündung mit Antibiotika behandelt werden.

Bettina Kalberer benutzt das TytoHome-Gerät zum ersten Mal in einer echten Krankheitssituation. Zuvor hatte sie aber bereits ein paar Tests an sich und den Kindern gemacht, als sie das Gerät erhalten hat. Sie kann den Gehörgang ihrer Tochter bis zum Trommelfell bei beiden Ohren filmen. Was sie selber erkennt, ist der Unterschied vom schmerzenden zum nicht-schmerzenden Ohr:  der Gehörgang des schmerzenden Ohres ist zum Teil sehr rot und berührungsempfindlich. Die Ärztin von santé24 bestätigt die Diagnose eines «Badeohrs». Das Trommelfell sieht im Gegensatz zum Gehörgang rosig, perlmuttartig schimmernd und intakt aus. Eine Mittelohrenentzündung kann also ausgeschlossen werden. Da der Befund eindeutig ist, ist ein Termin beim Kinderarzt nicht nötig. Das Rezept für die Antibiotika-Tröpfchen mailt die Ärztin an die Notfall-Apotheke, die Bettina Kalberer nennt. «Dafür hat sich die Anschaffung ja fast schon gelohnt und das war jetzt alles so einfach und ohne grossen Aufwand», freut sich Bettina Kalberer.

 

 

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.

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