«Nächste Woche sind wir in den Skiferien. Wir sind beide grosse Langlauffans und am Trainieren für den Engadiner Skimarathon. Seit zehn Monaten haben wir einen kleinen Sohn, den wir das erste Mal in den Sportferien dabei haben. Ich habe gesehen, dass manche Langläufer ihre Sprösslinge in einen Schlitten packen und einfach hinter sich herziehen beim Trainieren. Meine Frau und ich würden das gerne auch so machen, weil wir dann miteinander laufen könnten. Auf was müssen wir achten? Wird das dem Kleinen nicht schnell zu kalt?» Peter Carisch hat als junger Papi viele Fragen zu den ersten Winterferien in den Bergen. Die erfahrene Kinder-Fachspezialistin von santé24 versucht, alle Fragen zu beantworten.
Wann wird es (zu) kalt?
Im Prinzip wird es zu kalt, wenn der Körper den Wärmeverlust nicht mehr durch Wärmeproduktion ausgleichen kann. Daher kommt das Zittern, wenn einem kalt ist. Mit Muskelzittern produziert der Körper Wärme. Je kleiner Kinder sind, desto grösser ist ihre Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen. Das heisst, Kinder verlieren mehr Wärme als Erwachsene, wenn sie nicht gut eingepackt sind. Dies gilt vor allem für den relativ grossen Kinderkopf. Mützen mit fester Ohrenbedeckung, die gut am Kopf angemacht sind und nicht wegflattern, sind deshalb ideal. Genauso wichtig ist aber auch, dass das Blut überall gut zirkulieren kann, es also keine Engstellen z.B. an den Füssen oder Händen gibt. Es gilt also, lieber zu grosse Socken, Schuhe und Handschuhe oder anzuziehen Fäustlinge als zu kleine.
Wie schützt man kleine Kinder am besten?
Babies trägt man beim Winterspaziergang am besten nahe am Körper und schliesst den eigenen Mantel über das Baby: Körperwärme ist der beste Wärmelieferant! Grössere Kinder sollte man nach dem Zwiebelprinzip gut einpacken. Am besten mit einem durchgehenden Anzug und mehreren dünnen Kleidungsstücken darunter. Verschiedene Funktionsschichten werden dabei übereinander getragen. Die erste Schicht auf der Haut muss Feuchtigkeit schnell von der Körperoberfläche abtransportieren und weiterleiten, sonst fängt man an zu frieren. Als wärmende Zwischenschicht empfiehlt sich ein Oberteil aus Fleece- oder Softshellmaterial. Die äusserste Schicht muss perfekt vor Wind und Wasser schützen. Diese verschiedenen Schichten und die Luftpolster dazwischen halten die Kälte besser ab als nur ein einziges, dickes Kleidungsstück. Füsschen und Händchen sollen möglichst ähnlich geschützt werden. In einem Kinderwagen, einer Trageschale oder auf einem Schlitten dürfen zusätzlich auch eine Decke, ein Fusssack und eine Styropor- oder Lammfellunterlage nicht fehlen. Kinder, die unbewegt sind, kühlen deutlich schneller aus. Ein warmes, evtl. leicht gesüsstes Getränk kann schluckweise zusätzlich helfen, Dauernuckeln wäre aber wegen der Feuchtigkeit und dem Speichel rund um den Mund schlecht für die sowieso schon strapazierte Haut. Beim Kinderwagen sollte man nicht vergessen, das Verdeck hochzuklappen, um das Kind vor dem kalten Wind zu schützen. Die empfindliche Kinderhaut muss unbedingt mit fetthaltiger «Wintercreme» (mit Sonnenschutz in den Bergen), die Lippen mit Pomade geschützt werden.
Wie lange draussen bleiben?
Wenn das Kind sich selber draussen bewegen und herumrennen kann, kann man vor allem bei trockenem Wetter auch einmal zwei bis drei Stunden draussen verbringen. Es empfiehlt sich allerdings, auch bei trockenem Wetter eine untere Wechselschicht mitzunehmen. Durch Schwitzen oder durch Schnee kann die Kleidung innen feucht werden. Dann ist trockene Wechselkleidung sehr angenehm. Kinder, die sich nicht selber bewegen können, sollten bei Minusgraden maximal 20 bis 30 Minuten herumgefahren oder -gezogen werden, unter Einjährige evtl. nur eine Viertelstunde. Ab und zu kann man mit den eigenen warmen Händen die kindliche Temperatur im Nacken überprüfen: die Haut dort sollte warm, aber nicht feucht sein.
Wie merkt man, dass es zu kalt ist?
Die unbedeckte Haut des Kindes sollte rosig, seine Augen wach sein. Fahle Haut und blass-bläuliche Lippen sind ein schlechtes Zeichen, ebenso Interesselosigkeit auch bei Ansprache und unpassendes Einschlafen. Ein waches Kind beginnt in der Regel anhaltend zu schreien, wenn ihm kalt ist. Bei kläglichem Wimmern oder schlechter Weckbarkeit empfiehlt es sich, den Spaziergang oder die Loipen-Runde zu beenden. Besonders aufpassen sollte man auch bei Metallteilen wie Reissverschlüssen oder Schmuck, z.B. Ohrringen: diese sollten nicht direkt Kontakt mit der Haut haben bzw. vor dem Aufenthalt in der Kälte abgenommen werden. Metall ist ein guter Temperaturleiter, wird schnell kalt und kann sogar zu lokalen Erfrierungen führen.
Wie aufwärmen?
Ist das Kind wirklich einmal durchgefroren oder klagt über kalte Finger oder Zehen, dann ist langsames Aufwärmen bei Zimmertemperatur durch Einwickeln in Decken die richtige Massnahme. Auf keinen Fall Hände oder Füsse in heisses oder sehr warmes Wasser stecken! Ein langsames Ansteigen von Zimmertemperatur (ca. 20°C) bis Körpertemperatur (ca. 37°C) in kleinen Schrittchen ist am angenehmsten und tut auch am wenigsten weh. Innwendig kann auch hier ein warmes Getränk helfen, die Stimmung aufzuhellen und die zurückkommende Wärme zu spüren.
Peter Carisch und seine Frau sind gut ausgestattet für den Winter und werden versuchen, je nach Aussentemperatur und Wind eine viertel bis halbe Stunde zusammen mit dem kleinen Sohn im Schlitten auf die Loipe zu gehen. Danach gibt es abwechselnd Aufwärmen und Verpflegung in der Hütte. Ein leerer Magen lässt Erwachsene wie Kinder auch eher frieren. Nebenbei haben sie sich noch nach den wichtigsten Medikamenten für die Ferienwoche erkundigt, falls der Kleine sich doch erkältet oder Fieber bekommt. Mit Nasentröpfchen und Fieberzäpfchen, die zu seinem Gewicht passen, sind die jungen Eltern bestens vorbereitet. Ausserdem können sie ja auch aus den Winterferien jederzeit bei santé24 anrufen, wenn sie eine Frage oder ein Problem haben sollten.
Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telefonische Gesundheitsberatung santé24 ist eine zentrale Dienstleistung von SWICA, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Die Fachkräfte von santé24 vereinbaren bei Bedarf einen Arzttermin und schaffen so die Grundlage für eine koordinierte und zielgerichtete Behandlung – von der ersten Beratung bis zum Therapieabschluss. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.

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