Gesundheit

5 Fragen an Dr. Silke Schmitt Oggier - Kaninchen als Ostergeschenk – bekommt unsere Tochter eine Allergie?

 «Auf dem Bauernhof in unserer Nähe hat es gerade junge Kaninchen, die so herzig sind. Der Bauer wäre froh, wenn er die Kaninchen in gute Hände geben könnte. Unsere 8-jährige Tochter wünscht sich schon sehr lange ein Haustier.

Dr. Silke Schmitt Oggier - Med.Leiterin sante24
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SWICA Gesundheitsorganisation

Neulich habe ich aber gelesen, dass man auch auf Kaninchen allergisch sein kann und nicht nur auf Katzen- und Hundehaare. Gehen wir da ein Risiko ein, wenn wir zwei Kaninchen anschaffen würden? Was würden Sie uns aus medizinischer Sicht raten?», fragt Diana Keller die santé24-Gesundheitsberaterin. Diese klärt im Gespräch mit Diana Keller zuerst ab, ob in der Familie Allergien bekannt sind oder jemand an Asthma oder Neurodermitis leidet. Dann ist bezüglich Haustieren Vorsicht angebracht.

 

Wie häufig ist eine Allergie auf Kaninchen?

Etwa jeder zehnte Mitteleuropäer und jeder dritte Allergiker ist von einer Tierhaarallergie betroffen. Am häufigsten geht sie von Katzen aus, gefolgt von Meerschweinchen, Kaninchen, Pferden und Hunden. Praktisch alle Tiere mit Fell können eine Allergie auslösen, obwohl die Haare nicht die Ursache der Allergie sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Lang- oder Kurzhaarrasse handelt oder ob die Tiere viele oder wenige Haare verlieren. Denn Tierallergene können auch als Schuppen zwischen den Haaren entweichen.

Auf was genau reagiert man allergisch?

Es sind die tierspezifischen Eiweißstoffe, die an den Haaren haften, beispielsweise Stoffe im Speichel, die beim Putzen auf das Fell übertragen werden oder Hautzellen, die an den Haaren kleben bleiben. Feine Härchen des Tiers gelangen mit dem Allergen beladen in die Luft und verteilen sich in der Umwelt, auf Kleider, Teppiche, Kissen… Auch Menschen, die seit Jahren ohne Probleme mit einem Tier im Haushalt leben, können plötzlich eine Allergie entwickeln. Die Ursache für dieses Phänomen ist unklar.

Symptome einer Tierhaarallergie

Bei Tierhaarallergien spricht man in der Regel von Soforttyp-Allergien. Dabei wird zunächst das Immunsystem gegen das entsprechende Allergen sensibilisiert. Kommt dann das Allergen erneut mit dem Immunsystem in Berührung, wird eine Immunreaktion in Gang gesetzt. Nach erfolgter Sensibilisierung setzen die Symptome dann jeweils sehr schnell nach Kontakt mit dem Allergen ein. Die Symptome sind meistens ähnlich wie bei Heuschnupfen oder Asthma: laufende oder verstopfte Nase, Juckreiz in der Nase und Niesanfälle, juckende, gereizte und tränende Augen und als Asthmasymptome Husten, Atemnot, pfeifender Atem und Engegefühl in der Brust. Die Symptome müssen nicht sofort und nicht alle zusammen auftreten, sondern können im Laufe der Zeit entstehen und zunehmen. Auch Urtikaria (Nesselfieber) und Neurodermitis können durch Tierhaare ausgelöst oder verschlimmert werden.

Was ist die beste Therapie?

In erster Linie sollte man, wie bei anderen Allergien auch, den Auslöser künftig meiden. Bei einer Tierallergie bedeutet das, keinen Kontakt mehr mit dem Tier zu haben. Das geliebte Haustier abzugeben, ist aber nicht immer einfach. Medikamente wie Antihistaminika oder kortikosteroidhaltigen Präparate können die Symptome mildern. Man sollte aber gut abwägen, ob eine dauerhafte Therapie wirklich gerechtfertigt ist.

Eine allergenspezifische Immuntherapie oder Desensibilisierung kommt bisher nur bei Betroffenen einer Katzen-, Hunde- oder Pferdeallergie in Frage und das auch nur, wenn trotz aller Massnahmen und medikamentöser Behandlung mässige bis schwere Symptome fortbestehen. Während der allergenspezifischen Immuntherapie muss das Tier weggegeben werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Kann man einer Allergie vorbeugen?

Eigentlich nicht, doch mit ein paar Massnahmen kann die dauernde Allergenbelastung in der direkten Umgebung zumindest reduziert werden, was aber nicht mit Sicherheit vor einer Allergieentstehung schützt:

  • Dem Haustier den Zugang zur Wohnung beschränken und/oder es möglichst ausserhalb der Wohnung halten, was bei Kaninchen gut möglich ist. Ein warmer Stall und sein dickes Fell schützen es auch im Winter vor der Kälte.
  • Wenn das Tier doch ab und zu in die Wohnung gelassen wird, dann möglichst in Räume ohne Teppichboden, die feucht aufgenommen werden können und nicht das auf Sofas oder andere Stoffmöbel lassen.
  • Das Tier nicht in den Schlafbereich lassen, da man sich dort die meisten Stunden aufhält und deshalb im Schlafzimmer verbliebene Allergene die grösste Auswirkung haben.
  • Hände waschen nach jedem Tierkontakt
  • Kleider nach dem Tierkontakt mit Kleiderroller reinigen (keine Kleiderbürste verwenden) oder möglichst noch draussen wechseln und waschen

Allergiebetroffene sollten vor der Anschaffung eines Fell- oder Federtieres eine mögliche Tierallergie mit all ihren Konsequenzen (Dauertherapie oder Weggabe des geliebten Tiers) in Betracht ziehen und möglichst unemotional und überlegt entscheiden.

 

Da Familie Keller bisher keinerlei Allergie-Vorbelastungen hat und die Kaninchen problemlos draussen gehalten werden könnten, ist aus medizinischer Sicht nichts dagegen einzuwenden. Aus psychologischer Sicht sind Haustiere positiv zu beurteilen und werden deshalb zum Teil sogar in Rehabilitationseinrichtungen oder Altersinstitutionen zu Therapiezwecken eingesetzt. Bei Kindern können sie auch dazu beitragen, mehr Verantwortungsgefühl zu entwickeln und sie einen wichtigen Schritt in ihrer persönlichen Entwicklung machen lassen.

 

Dr. med. Silke Schmitt Oggier ist die Medizinische Leiterin von santé24 und selber Fachärztin für Kinder und Jugendliche. Die telemedizinische Beratung ist eine zentrale Dienstleistung von santé24, die den SWICA-Versicherten bei allen Fragen rund um die Gesundheit unter der Nummer 044 404 86 86 kostenlos zur Verfügung steht. Eine Praxisbewilligung für Telemedizin ermöglicht es den Ärzten von santé24 zudem, bei telemedizinisch geeigneten Krankheitsbildern weiterführende ärztliche Leistungen zu erbringen. Mit der medizinischen App BENECURA können SWICA-Versicherte ausserdem bei Krankheitssymptomen einen digitalen SymptomCheck machen und erhalten Empfehlungen fürs weitere Vorgehen. Bei einem anschliessenden Telefonat mit santé24 entscheidet der Kunde im Einzelfall selber, ob er die im SymptomCheck gemachten Angaben santé24 freigeben möchte.

 

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